Gründungsfeier der Bildungssektion der FAU Erfurt/Jena

Sonntag, 18. Juni | 14-18 Uhr | Großer Saal im Haus auf der Mauer (Johannisplatz 26, 07743 Jena)

Seit Sommer 2016, also seit einem Jahr, führen wir als FAU Arbeitskämpfe im Bildungsbereich – bisher gegen die Euroschulen Gera und die Uni Jena. Wir haben seitdem einige Forderungen durchgesetzt: Honorare von den Euroschulen Gera, ein Ende der Scheinselbstständigkeit im CATI-Labor der Uni Jena, Lohnnachzahlung für einen Kollegen vom Unkraut-Jäten auf den Versuchsflächen des Jena-Experimeint, Entfristung und Lohnnachzahlung für einen studentischen Arbeiter in den Uni-Bibliotheken. In weiteren Konflikten erwarten wir eine baldige Einigung bzw. Erfolge vorm Arbeitsgericht.

Seitdem sind einige Kolleg_innen der FAU beigetreten und hat sich herausgestellt, dass es eine kurzzeitige AG nicht mehr tut. Entsprechend haben wir uns entschieden, die AG zu einer Sektion auszubauen. Das bedeutet unter anderem, dass die Sektion eine eigene Koordinatorin haben wird und sich darum bemüht, die Arbeit weiter zu verstetigen. Damit bauen wir als FAU unsere erste richtige Branchenorganisation in Jena auf!

Am 18. Juni werden wir die Sektion gründen. Wir wollen deswegen zusammenkommen und unsere bisherigen Erfolge feiern! Es wird ein Buffet, Getränke und Sekt, Musik und ein kleines Update über unsere bisherige Arbeit geben.

Wir laden alle Freund_innen und Kolleg_innen ein und freuen uns auf eine schöne Feier!

Offener Brief der Tutor_innen der Uni Jena

Folgender offene Brief, unterschrieben von 8 Tutor_innen der Uni Jena, wurde am 26. Mai 2017 dem Präsidenten der Uni Jena zugeschickt. Im Anschreiben wurde eine Antwort innerhalb von zwei Wochen gefordert.

Offener Brief der Tutor_innen der Uni Jena

Als Tutor_innen ist es unsere Aufgabe, den Lehrbetrieb der Uni Jena durch zusätzliche Lerneinheiten zu Seminaren, Vorlesungen oder Übungen zu unterstützen. Das tun wir unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen:

  • Wir haben fast Alle Verträge, die auf die Vorlesungszeit, d.h. in der Regel vier Monate, befristet sind.
  • Wir bekommen gerade einmal den Mindestlohn von 8,84€/Stunde bzw. bei Bachelor-Abschluss 9,70€/Stunde.
  • Einige von uns bekommen 20 oder 25 Stunden im Monat bezahlt, was für den Arbeitsaufwand einigermaßen angemessen ist. Andere bekommen nur die reine Präsenzzeit von 8 Stunden im Monat bezahlt, d.h. es wird von uns erwartet, dass wir die Tutorien kostenlos vor- und nachbereiten. Dabei ergibt sich ein realer Stundenlohn von teilweise unter 4€/Stunde.

Wir haben uns dazu entschieden, diesen offenen Brief zu schreiben, weil wir diese Situation für nicht hinnehmbar halten!

Wir fordern die Universität Jena und die Institute dazu auf, ab nächstem Semester die volle Präsenz-, Vor- und Nachbereitungszeit zu bezahlen, d.h. allen Tutor_innen mindestens 20-Stunden-Verträge (pro Monat) zu geben! Bis das nicht passiert, werden wir schon jetzt anfangen, unsere Überstunden auf gewerkschaftlichem oder juristischem Wege zu erkämpfen und werden auch andere Tutor_innen dazu ermuntern, dasselbe zu tun. Außerdem fordern wir, dass die Tutor_innen-Verträge mindestens ein Jahr Laufzeit haben!

Diese Situation betrifft nicht nur uns. Auch die Lehrauftragnehmer_innen bekommen nur die reine Präsenzzeit bezahlt und erhalten von Semester zu Semester neue Verträge (oder eben nicht). Wir solidarisieren uns auf diesem Wege mit ihnen!

Wir rufen alle Arbeiter_innen der Uni Jena dazu auf, unsere Forderung zu unterstützen und sich ebenfalls für eine Verbesserung ihrer Lage einzusetzen! Wenn ihr mit uns in Kontakt treten möchtet, könnt ihr uns eine Mail an fau-j.bildung@nadir.org schicken.

Klagen gegen die ThULB

Derzeit sind mehrere Klageverfahren gegen die Anstellungspraxis der Friedrich-Schiller-Universität an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) anhängig. Geklärt werden wird, ob die Universität Bibliotheks-Putz und -Service-Kräfte als studentische Hilfskräfte anstellen darf, sprich ob deren Tätigkeit „wissenschaftlicher Art“ ist. Ist das Bücher-Sortieren und Einordnen von Loseblattsammlungen nicht wissenschaftlich, ist der Tarifvertrag der Länder (TV-L) anzuwenden. Und die Arbeitskräfte im Vergleich zum Mindestlohn mit mindestens 1,29 €/Stunde höher zu entlohnen – höherer Urlaubsanspruch, Jahressonderzahlung und Entfristung inklusive.¹ Was aber immer noch kein Studium frei von finanziellen Sorgen ermöglicht.

Für die ThULB werden en masse „studentische Hilfskräfte“ angeworben. Es gibt nur befristete Verträge und wer einen universitären Abschluss hat, der/die bekommt erst gar keine Anstellung. Denn als „wissenschaftliche Hilfskraft“, als die man dann angestellt werden müsste, gilt man zwar gemeinhin als qualifizierter, ist aber auch ein paar Euro teurer. Die Universität will für die ThULB-Beschäftigten aber nur das Allerwenigste zahlen: Mindestlohn. Gegen diese Bezahlung wehren sich nun einige ThULB-Beschäftigte mit dem Argument, ihre Arbeit sei nicht wissenschaftlicher Art. Dann dürften die Betroffenen nicht als studentische Hilfskräfte eingestellt werden. Wie sieht nun also die Arbeit der ThULB-Studis aus?

Die „studentischen Hilfskräfte“ an der ThULB räumen Montags – Freitags von 7 bis 9 Uhr die Bibliothek auf: Von Nutzer*innen zurückgebrachte oder auf Tischen liegengelassene, möglicherweise auch nicht korrekt einsortierte oder in falschen Regalen „versteckte“ Bücher müssen ab 9 Uhr morgens für die Nutzer*innen wieder in Reih und Glied gestellt werden. Zwecks Lüftung müssen zudem die Fenster geöffnet und am Ende wieder geschlossen werden. Zu guter Letzt gehören der Staub bekämpft, sprich die Bücherregale abgewischt. In den Abendstunden und am Wochenende, wenn die fest Angestellten sich in ihrem verdienten Feierabend befinden, besetzen die „studentischen Hilfskräfte“ die Informationstheken. Dort fallen verschiedenste Hilfstätigkeiten ein: Mal müssen neueste Lieferungen in die Loseblattsammlungen einsortiert werden, mal die Zeitschriften geordnet, mal neue Bücher gestempelt und beklebt werden oder zuweilen auch einfach nur Kartons gefaltet werden. Zudem werden hier potentielle Fragen von Nutzer*innen der ThULB beantwortet („Wo finde ich die Signatur?“ – „Können Sie den Papierstau beheben?“ – „Wo sind die Toiletten?“, etc.) und erneut Bücher in die Regale einsortiert.

Anscheinend sind das für die Uni wissenschaftliche Tätigkeiten, denn sonst würde sie ja nicht studentische Hilfskräfte dafür einstellen. Die hierzulande ohnehin regelmäßig ausgebeuteten Putzkräfte dürfen sich freuen: Putzen ist eine Wissenschaft! Aber welche Tätigkeit ist dann eigentlich keine Wissenschaft? Oder hat am Ende möglicherweise niemand ernsthaft über die Definition der Wissenschaftlichkeit nachgedacht, sondern einfach nur nach der billigsten Möglichkeit gesucht, notwendige Arbeiten erledigen zu lassen? Ein Schelm, wer dies behauptet! Auf dem Weg nach billigen Arbeitskräften ist für Universitäten der Weg über die „studentischen“ (ohne Abschluss) oder „wissenschaftlichen“ (mit Abschluss) Hilfskräfte sehr praktisch. Diese Gruppen sind nach § 1 Abs. 3c TV-L explizit ausgenommen vom – sonst einschlägigen – Tarifvertrag der Länder. Gewerkschaften und Länder haben mit der Ausnahmeklausel einen Weg gefunden, den öffentlichen Dienst an vielen Stellen billiger zu machen, als man es nach außen hin verkaufen mag: „Es gibt doch den Tarifvertrag.“ Der Tarifvertrag bleibt allerdings ein bruchstückhaftes Werk. Die Ausnahme ist die Regel. Und das läuft schon seit Jahren und in vielen Bereichen – auch und insbesondere – an Universitäten so. Wir fordern die Abschaffung der Ausnahmen und gleiche Rechte für alle Beschäftigten!

Fairer Lohn für faire Arbeit und für alle – das ist nicht zu viel verlangt! An allen Ecken und Enden werden Arbeitnehmer*innen über den Tisch gezogen. Vor Gericht kann man zumindest mühsam die Mindestrechte erstreiten, die Gesetzgeber oder Tarifvertragsparteien – natürlich aus freien Stücken und aus voller Gutmütigkeit und Barmherzigkeit *Ironie off* – den Angestellten eingeräumt haben. Um diese Rechte dann doch wieder regelmäßig im Vertrag zu negieren. Gewinner*in ist und bleibt der/die Arbeitsgeber*in, der/die nur hoffen kann, die Arbeitnehmenden möglichst lange stillschweigend erfolgreich um ihre eigentlichen und allzu schnell verjährten Rechte geprellt zu haben.

 

¹ Der Unterschied wäre kleiner, wenn die Universitäten sich orientieren würden an den Richtlinien der Tarifgemeinschaft deutscher Länder über die Arbeitsbedingungen der wissenschaftlichen und studentischen Hilfskräfte – die interessieren aber anscheinend niemanden.

Tagung zu Arbeitskämpfen an der Universität

organisiert von der offenen Bildungs-AG der FAU Erfurt/Jena

10. Mai 2017 | Seminarraum Haus auf der Mauer (Johannisplatz 26)

Seit Sommer 2016 haben wir uns als studentische Arbeiter_innen und Lehrkräfte von der Uni Jena mit anderen Bildungsarbeiter_innen in der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union organisiert und Arbeitskämpfe an unseren Arbeitsplätzen begonnen. Bisher haben wir am CATI-Labor der Uni Jena und den Euroschulen Gera Verbesserungen bzw. unsere Honorare erkämpft. Gerade befinden wir uns vor allem mit der Uni Jena in Konflikten, konkret im Methodenlabor, in den Universitätsbibliotheken und beim „Jena Experiment“ sowie in absehbarer Zeit als Tutor_innen.

In dem Rahmen haben wir uns vorgenommen, eine Tagung zu Arbeitskämpfen an der Universität zu organisieren und dabei unsere Erfahrungen und Strategien zu diskutieren. Wir möchten mit allen Interessierten zusammenkommen, unsere Sicht der Dinge sowie unsere Strategie erklären und gemeinsam diskutieren, wie wir uns als Arbeiter_innen an der Uni besser organisieren und unsere Kämpfe stärken können. Es wird unter anderem um das Verhältnis von individuellen und kollektiven Forderungen, anarchosyndikalistische Strategien für die Uni, die Reaktionen von Seiten des Uni-Establishments und den Ausbau der Bildungs-AG zur Sektion für Bildung, Kultur und Soziales gehen.

Während der Tagung wird es Infomaterial zu Arbeitskonflikten an der Uni Jena und den Arbeitsbedingungen im Uni-Bereich allgemein geben.

 

Programm

Mittwoch | 10. Mai 2017 | 15 bis 20 Uhr | Seminarraum Haus auf der Mauer (Johannisplatz 26)

15:00-16:00 Offene Austauschrunde für alle Arbeiter_innen an der Uni

Wir laden Alle, die in irgendeiner Form an der Uni arbeiten, dazu ein, sich gemeinsam über ihre Arbeitsverhältnisse und Erfahrungen in Konfliktfällen auszutauschen.

16:00-17:00 Diskussion mit der Initiative „Bildung selber machen Jena“

Zum 3. Mai hat die Initiave „Bildung selber machen Jena“ zu einem offenen Treffen eingeladen. Dort soll es unter anderem um die anstehenden Bildungs-Proteste vom 21. Juni, die Kampagne Lernfabriken meutern und lokale Forderungen in Jena gehen. Wir haben sie zu unserer Tagung eingeladen, um nach ihrem ersten Treffen mit ihnen darüber zu diskutieren, ob und wie Bildungs-Proteste und Basisgewerkschaften an einem Strang ziehen können.

17:00-18:00 Arbeitskämpfe von Doktorand_innen

Wir zeigen den 17minütigen Film zum Arbeitskonflikt zweier Doktorandinnen und der Bildungs-Sektion der FAU Berlin gegen die Freie Uni Berlin und geben ein Update über den Verlauf ihres Arbeitskampfs. Im Anschluss wird es einen Beitrag eines Dozenten und Mitglieds der Bildungs-AG zur Situation von Doktorand_innen gehen.

18:00-20:00 Die Jenaer FAU-Bildungs-AG und ihre Arbeitskämpfe an der Uni Jena

Wir wollen die Entstehung, Strategie, laufende Arbeitskonflikte und kommende Projekte unserer Bildungs-AG vorstellen. Es werden sprechen mehrere Mitglieder der Bildungs-AG sprechen:

  • eine ehemalige Studentischen Hilfskraft über den Hiwi-Streik 2013 am Institut für Soziologie
  • ein Tutor zur gewerkschaftlichen Strategie der Bildungs-AG
  • eine ehemaligen Studentische Hilfskraft aus dem Methodenlabor zu ihrem Arbeitskonflikt um die unbezahlten Überstunden
  • eine Studentische Hilfskraft aus der Jura-Bibliothek zu seinem Kampf um Entfristung und Tarifvertrag

Einladung zum Tutor_innen-Treffen

am Dienstag, 2. Mai 2017, 16 Uhr im Frei(t)raum der Uni Jena

Tutor_Innen sind ein fester Bestandteil des Lernbetriebs an der Uni und es gibt sie in allen Fakultäten. Ohne engagierte Studierende wäre der Lernbetrieb in vielen Bereichen nicht mehr in der jetzigen Qualität aufrecht zu erhalten. So übernehmen Tutor_Innen teilweise das vermitteln von Lerninhalten aus Vorlesungen oder unterstützen Studierende gerade in den schwierigen Fächern des Studiums. Doch das Geben eines Tutoriums ist nicht nur Spaß oder sieht gut für den Lebenslauf aus, sondern auch (Lohn)-Arbeit und hier beginnen meistens die Probleme. Die bezahlten Stunden entsprechen meistens nicht den Arbeitsaufwand. Teilweise wird nur die reine Präzenszeit von 8 h im Monat bezahlt und damit nicht die Vor- und Nachbereitungszeit. Des Weiteren müssen oft noch unbezahlte Hilfsarbeiten für Professor_Innen ausgeführt werden, wie z.B. das Kopieren und Drucken von Texten etc.

Dies finden wir nicht hinnehmbar und laden daher zum einem Treffen aller Tutor_Innen ein, um über unser Probleme zu sprechen und zu diskutieren, wie wir für faire Arbeitsbedingungen kämpfen können. Da Tutor_Innen beim Kritik dieser Verhältnisse oft allein gelassen werden, ist es wichtig sich gemeinsam zu organisieren.

Liebe Grüße!

Kritische Tutor_Innen und offene Bildungs-AG der FAU Erfurt/Jena

Erfolgreiche Honorareintreibung bei den Euro-Schulen in Gera

Zwei Bildungsarbeiterinnen unterrichteten im Mai 2016 an den Euro-Schulen in Gera kurzzeitig einen Deutschkurs für Geflüchtete, den sie als Krankheitsvertretung übernommen hatten. Der Kurs wurde nach zwei Wochen abrupt und ohne Absprache mit den Dozentinnen von der Koordinatorin abgebrochen. Seit der Rechnungsstellung Mitte Juni, warteten die beiden auf ihre Honorare – jeweils mehrere hundert Euro – und kamen zur FAU in die Bildungs-AG, um gemeinsam in diesem Arbeitskampf ihr Geld einzufordern.

Als gewerkschaftliche Vertretung der beiden konnte die FAU schliesslich Ende Februar – ein dreiviertel Jahr, nachdem die Arbeitsleistung vollbracht wurde – die Honorare erkämpfen. Wirkungsvoll war, dass die FAU einerseits als gewerkschaftliche Vertretung und Verhandlungspartnerin aufgetreten ist. Andererseits hat sie kontinuierlich per Post und durch Telefonate Druck auf die Euro-Schulen aufgebaut, die Honorare zu zahlen. Gemeinsam konnten wir uns in der BIldungs-AG darüber klar werden, wie wir den Kampf planen, welche gewerkschaftlichen Aktionen und welches weitere juristische Vorgehen gegen die Euro-Schulen durchgeführt werden könnten. Dabei war es extrem hilfreich, auf das Wissen und die Erfahrungen der GenossInnen der FAU aus vorausgegangenen Arbeitskämpfen zurückgreifen zu können.

Ein guter Ausgangspunkt und große Hilfe beim Vorgehen war ebenfalls die Broschüre „Ich will mein Geld!“ – Tipps und Tricks, um Honorare einzutreiben (PDF-Link) der FAU Berlin.

Kneipenabend im Kassa

Mitttwoch, 1.3., ab 20:00 im Turmcafé vom Kassablanca

organisiert von der FAU und GG/BO-Soligruppe Jena

Auf unsere Arbeitskämpfe im Bildungsbereich und hinter Git­tern müssen wir auch mal anstoßen! Deswegen gibt es nächs­ten Mitt­woch unseren nächsten monatlichen Kneipen­abend. Wie auch die letzten Male kommen wir bei unseren Freundinnen und Freun­den vom Kassablanca in der gemüt­li­chen Turm-Bar unter. Bringt gerne alle eure Kolle­gin­nen und Freunde mit – je voller, desto lustiger!

Flyeraktion zum internationalen Symposium des „Jena Experiments“ am 07. Februar

Am 07./08.02. feierten die Uni Jena und die Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät das 15-jährige bestehen des „Jena Experiment“ mit einem zweitägigen Symposium. Mit einer Gruppe von 5 Menschen der FAU Erfurt/Jena nutzen wir daher die Eröffnungsveranstaltung am 07.02. um auch die (internationalen) Partner_Innen des Experiments und Interessierte auf die prekäre Situation der studentischen Hilfskräfte, die Unterwanderung geltender Tarifverträge durch die Uni Jena und unsere Forderung nach ausstehendem Lohn und strukturellen Verbesserungen aufmerksam zu machen.

Wir haben fast alle Teilnehmer_innen des Symposiums erreicht und konnten mit vielen über die Situation sprechen. Die allermeisten – sowohl lokalen wie internationalen – Gäste zeigten sich interessiert und äußerten sich solidarisch.

Für die betroffenen Studierenden sind 15 Jahre „Jena Experiment“ kein Grund zum feiern, sondern bedeuten eine anhaltende Praxis des Lohndumpings und fehlender Arbeitsplatzsicherheit. Auch im 16. Jahr des Experiments werden wird daher den Druck auf die Uni weiter erhöhen und gemeinsam für eine gerechte Bezahlung kämpfen.

Der Flyer ist hier nachzulesen.

Egal ob Landes- oder Stiftungs-Uni: Tarifvertrag für Hilfskräfte und Arbeitskampf an die Uni!

Kundgebung der offenen Bildungs-AG der FAU Erfurt/Jena am Freitag, 17. Februar 2017, 13:30 Uhr vor dem Universitätshauptgebäude (Fürstengraben 1)

Am 17. Februar findet in der Aula des Universitätshauptgebäudes (UHG) eine Podiumsdiskussion statt. Uni- und Gewerkschaftsfunktionäre wollen über die Transformation der Uni Jena zu einer Stiftungsuniversität reden. Wie immer sind wir Studentischen Hilfskräfte weder aufs Podium eingeladen noch gehen wir davon aus, dass unsere Interessen ernsthaft in die Diskussion einbezogen werden. Um unseren Interessen Nachdruck zu verleihen, werden wir am selben Tag eine Kundgebung vorm UHG machen – das Motto: Tarifvertrag für Hilfskräfte und Arbeitskampf an die Uni!

Es gibt gerade viel Diskussion darum, ob die Transformation zur Stiftungsuni die Mitbestimmung und Arbeitsverhältnisse von uns studentischen Arbeiter_innen verbessert oder verschlechtert. Wie auch immer das Endergebnis aussieht, können wir davon ausgehen, dass eines Bestand haben wird: Die Uni ist ein Betrieb, eine Wissensfabrik, in der eine kleine Riege von Professor_innen und Funktionären das Sagen hat und ordentlich verdient, während der große Rest – Studentische Hilfskräfte, Wissenschaftliche Hilfskräfte, Tutor_innen, Lehrbeauftragte, Dozent_innen, Reinigungs- und Sicherheitskräfte und andere – wenig bis nichts zu melden hat und zu Niedrig- bis Mindestlöhnen sowie unter prekären Bedigungen arbeitet. 

Eine oft vorgetragene Forderung ist die nach dem Tarifvertrag für Studentische Hilfskräfte. Als Studentische Arbeiter_innen können wir nämlich bei wissenschaftlicher Arbeit aus dem Tarifvertrag ausgeschlossen werden. Kein Wunder also, dass alle möglichen Tätigkeiten als wissenschaftlich verkauft werden, um uns so aus dem Tarifvertrag (TV-L)  zu kicken. Insofern unterstützen wir die Forderung nach dem Tarifvertrag für Studentische Hilfskräfte!

Wir glauben aber nicht, dass ein von den bürokratischen Gewerkschaften (GEW und Verdi) verhandelter Tarifvertrag die Lösung ist. Wir werden weiter je nach Arbeitsplatz um Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geprellt werden, zu miesen Löhnen arbeiten oder unbezahlte Überstunden schieben müssen. Da hilft nur die Selbstorganisierung in unabhängigen und kämpferischen Gewerkschaften und Betriebsgruppen. Als Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) sind wir seit letzten Sommer mit vielen Kolleg_innen zusammenkommen und haben Arbeitskämpfe an zahlreichen Orten angefangen: im CATI-Labor der Soziologie, im Methodenlabor der Soziologie, bei den Lehrbeauftragten in der Soziologie, beim Unkraut-Jäten bei der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät und in der Thulb. Im CATI-Labor konnten wir die Anstellung der Telefon-Interviewer_innen als Scheinselbstständige beenden, während im Methodenlabor eine baldige Einigung mit der Uni und die Auszahlung des ausstehenden Lohns an die Kolleg_innen in Aussicht stehten Und am 17. Mai erwarten wir vor dem Arbeitsgericht in Gera eine Grundsatzentscheidung bezüglich der Anstellung als Studentische Hilfskräfte unserer Kolleg_innen, die beim „Jena Experiment“ Unkraut jäten. Weitere Arbeitskonflikte bereiten wir gerade vor. In all diesen Konflikten geht es sowohl darum, einzelnen Leuten den ihnen zustehenden Lohn rauszuholen als auch strukturelle Verbesserungen durchzusetzen. 

Wir rufen alle Arbeiter_innen an der Uni dazu auf, sich zusammenzutun, Betriebsgruppen aufzubauen und sich endlich gegen die miesen Arbeitsverhältnisse zu wehren. Wir laden Euch alle dazu ein, Euch uns anzuschließen und in unserer offenen Bildungs-AG mitzumachen.

Für mehr Arbeitskämpfe an der Uni!

Die offene Bildungs-AG der FAU Erfurt/Jena

Bericht zur Gütverhandlung vom 01. Februar 2017 im Fall der unbezahlten Stunden im Methodenlabor

Mit einer Gruppe von sechs Personen aus der offenen Bildungs-AG der FAU Erfurt/Jena bzw. Unterstützer_innen sind wir am 1. Februar nach Gera zum Arbeitsgericht gefahren, um unsere Kollegin aus dem Methodenlabor bei ihrer Güteverhandlung zu unterstützen. Sie hatte im ersten Halbjahr 2016 unbezahlt dutzende Überstunden im Methodenlabor des Instituts für Soziologie der Uni Jena arbeiten müssen; Ende Oktober stellten wir entsprechend eine Lohnnachforderung an die Uni Jena. Ziel einer Güteverhandlung ist es, die beiden Parteien zu einer Einigung zu bringen. Dabei schaut sich der Richter den Fall grob an, fasst den Sachverhalt zusammen und stellt eventuell Nachfragen.

In unserem Fall ist es an diesem Mittwoch zu keiner Einigung gekommen. Laut der Rechtsabteilung der Universität Jena ist die Klage nicht ganz klar formuliert worden. Da bei der Studentischen Hilfrskraft (SHK) aus dem Methodenlabor zwei Arbeitsvertäge zur gleichen Zeit an der Universität Jena bestanden, müssen wir nun noch einmal aufdröseln, dass es sich explizit um das Arbeitsverhältnis im Methodenlabor handelt und jene Mehrarbeit nicht aus dem anderen Vertrag resultieren. Die Informationen sollen nachgereicht werden; auch wenn das Grundgerüst unserer Klage stabil steht. Das heißt, es sieht gut aus, dass wir in der kommenden Zeit mit unserer Nachforderung der unbezahlten Überstunden Erfolg haben werden. Auf die Frage, ob die Uni an einer Einigung interessiert sei, antwortete die zuständige Anwältin der Rechtsabteilung, dass wir nach Einreichung und Durchsicht der Informationen zum zweiten Arbeitsverhältnis noch einmal reden können. Es bleibt also spannend.

Wir werden die benötigten Nachweise schnellstmöglich erbringen und auf eine außergerichtliche Einigung drängen. Sollte diese nicht eintreten, werden wir weiter Druck machen – gewerkschaftlich, politisch, juristisch. Weitere, ähnlich gelagerte, Fälle aus Methodenlabor sind bereits von uns angestoßen worden.