Nach offenem Brief der Tutor_innen: Kanzler und Präsident versprechen Verbesserungen, Tutor fordert Geld nach

Am 16. August kam es zu einem knapp einstündigen Treffen zwischen dem Präsidenten und Kanzler der Uni Jena und vier Studentischen Hilfskräften, Mitgliedern der FAU, wovon drei den offenen Brief der Tutor_innen vom 26. Mai initiiert und unterzeichnet hatten. In dem Gespräch positionierten sich die beiden Uni-Vertreter gegenüber den beiden Forderungen, die wir mit dem offenen Brief gestellt hatten und die daraufhin vom Fachschaftsrat der Soziologie und der GEW unterstützt wurden: (1) 20-Monatsstunden-Verträge und (2) eine Vertragslaufzeit von mindestens einem Jahr für alle Tutor_innen.

Was die Stundenzahl betrifft, erklärten der Kanzler und Präsident, dass sie ebenfalls der Meinung seien, dass alle gearbeiteten Stunden bezahlt werden müssten und versprachen, bald mit einem Rundschreiben alle Fakultäten anzuhalten, künftig alle Stunden zu vergüten. Sie meinten, die studentischen Beschäftigten müssten eine angemessene Stundenzahl vor Ort, in den Instituten, „selber durchboxen“, u.a. indem sie die korrekte Stundenzahl in die Stundenzettel eintragen und das Gespräch mit den verantwortlichen Dozentinnen und Professoren suchen. Dabei könnten sie sich gerne auf das Rundschreiben beziehen. Sollte es keine Einigung geben, müssten sie die jeweils höhergelegene Ebene miteinbeziehen, bis letzten Endes der Kanzler und Präsident für eine Klärung bereit stünden. Auch bei finanziellen Engpässen stünde der Senat bereit, den Fakultäten auszuhelfen.

So wird die Verantwortung, die Arbeitsverhältnisse zu verbessern, wieder einmal auf den studentischen Arbeiter_innen abgeladen, die doch in den Instituten gleich mehrfach abhängig sind. Insofern halten wir an der Forderung nach mindestens 20-Monatsstunden-Verträgen für alle Tutor_innen fest, damit es eben nicht dazu kommt, dass Dozentinnen oder Professoren in solch ungleichen Verhandlungen ihre Machtpositionen gegenüber den Studierenden ausnutzen. Nichtsdestotrotz würde sich die bisherige Ausgangssituation für derartige Auseinandersetzungen durch den Rundbrief um Einiges verbessern.

Was die Vertragslaufzeit betrifft, haben der Kanzler und Präsident klar gemacht, dass sie unsere Forderung ablehnen, wie auch fast alle Fakultäten sie wohl ablehnen. Das gehe aus einer Umfrage hervor, die in Reaktion auf unseren offenen Brief universitätsweit durchgeführt wurde. Dabei argumentieren sie mit (wissenschafts)betrieblichen und Arbeitgeberinteressen. Wir dagegen setzen uns weiter für unsere Interessen als studentische Arbeiter_innen ein und fordern eine Vertragslaufzeit von mindestens einem Jahr, worin wir ja vom Fachschaftsrat der Soziologie und der GEW unterstützt werden.

Die Ansage, die Bezahlung aller Stunden an den Instituten „durchzuboxen“ haben wir uns gleich zu Herzen genommen. Ein Tag nach dem Gespräch hat ein Tutor und Mitunterzeichner des offenen Briefs die Überstunden aus dem im Sommersemester gehaltenen Tutorium eingefordert.

Was bedeutet das konkret für uns als studentische Arbeiter_innen?

  1. Wir sollten noch vor Vertragsunterzeichnung nachfragen, wie viele Stunden wir bezahlt bekommen und Gespräche suchen, sollte sich abzeichnen, dass der Aufwand viel höher wird.
  2. Wenn wir dennoch mehr arbeiten als vertraglich vereinbart, müssen darauf achten, die Stundenzettel ordentlich auszufüllen, damit wir im Nachhinein die Überstunden einfordern können.
  3. Kommt in Kontakt mit der FAU und werdet Mitglied: Wir unterstützen euch in den Verhandlungen an euren Instituten und auch dabei, eure Überstunden einzufordern.

Jena, 18. August 2017

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